
Der Pferdefleischskandal zieht mittlerweile europaweite Kreise. So meldete Anfang dieser Woche auch Nestlé, dass in kozerneigenen Produkten Fleisch von Pferden nachgewiesen wurde. Und letzte Woche wurde bekannt, dass im Produkt „Tortelloni Rindfleisch“ des deutschen Herstellers Gusto GmbH ebenso ein nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch nachgewiesen wurde. Aufgefunden wurde es in Lidl-Regalen in Österreich.
Um das Vertrauen der Verbraucher nach dem Betrug mit Pferdefleisch zu stärken, will die EU-Kommission Verarbeitungsprodukte aus Rindfleisch im März genauer unter die Lupe nehmen. Insgesamt sollen 2.500 Stichproben in allen Mitgliedstaaten für DNA-Analysen gezogen werden, kündigte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg bei einem Krisentreffen der Agrarminister an. Die Kosten von EUR 400,- pro Test werde zur Hälfte die EU übernehmen, die andere Hälfte wird von den jeweiligen Mitgliedsstaaten getragen. Bis Mitte April sollen die Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Kein österreichisches Problem
Gerade was das Auftauchen von Pferdefleischanteilen in Waren in Österreichs Supermärkten betrifft, betont Prof. Dr. Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundesinnung der Lebensmittelgewerbe, dass es sich bisher in keinem einzigen Fall um in Österreich hergestellte Produkte handelt. Es betrifft ausschließlich gekühlte bzw. tiefgekühlte Fertiggerichte, die im Ausland gefertigt wurden. „Es ist wichtig, dass der Skandal der anderen nicht auf Österreich überschwappt“, so Kainz. Es handle sich nicht um ein österreichisches Problem, sondern um das ausländischer Erzeuger.
Dass die Gefahr eines Überschwappens einigermaßen gebannt sein dürfte, beweist die Berichterstattung der letzten Tage in den hiesigen Medien. Einmal mehr fällt in der Öffentlichkeit auf, dass es sich um ein Problem der Industrie handelt, dem man durch Einkauf beim Fleischer entgegenwirken kann. Auch in deutschen Tages- und Wochenzeitungen beginnt man zu hinterfragen, ob den Konsumenten das Fleisch nicht mehr Wert sein sollte. „ Fleisch muss wieder Luxusgut werden“, titelte zum Beispiel die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“. Man hat erkannt, dass das wertvolle Lebensmittel Fleisch aufgrund des internationalen und regionalen Preisdrucks unter seinem Wert verkauft wird – der betrügerischen Machenschaften Tür und Tor öffnet.
Herkunftskennzeichnung
Die IG Fleisch hingegen warnt davor, dass sich die Verantwortlichen des Skandals gegenseitig den „Schwarzen Peter“ zu schieben. Daher fordere diese Interessensgemeinschaft schon seit Jahren, dass in den Schlachthöfen das Herkunftsland der Tiere nicht geändert wird, heißt es in einer Aussendung des Obmannes der IG Fleisch Leo Steinbichler. Wo Österreich drauf stehtk, soll schließlich auch Österreich drin sein.
Bundesinnungsgeschäftsführer Kainz gibt im ÖFZ-Gespräch zu bedenken, dass eine Diskussion rund um die Herkunftskennzeichnung völlig am Thema vorbei gehe. „Diese gibt schließlich keine Auskunft über die Tierart oder die enthaltenen Fleischanteile“, betont Kainz.
(Red)